Pressemitteilung Düsseldorf den 08.10.2026 Deutscher Wirtschaftsbuchpreis 2026 | Handelsblatt

Die Sieger des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises 2026 stehen fest

„300 Männer. Aufstieg und Fall der Deutschland AG“ von Konstantin Richter ist das beste Wirtschaftsbuch des Jahres. – „Cum/Ex, Milliarden und Moral“ von Anne Brorhilker und ihrer Co-Autorin Traudl Bünger erhält den Leserpreis.

Für das Buch „300 Männer. Aufstieg und Fall der Deutschland AG“, erschienen im Suhrkamp Verlag, gewinnt Konstantin Richter den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2026. Die Jury wählte das Buch aus einer Shortlist von zehn Titeln. Der Preis wurde am Donnerstagabend im Rahmen der Frankfurter Buchmesse auf einer feierlichen Gala überreicht. Das Preisgeld beträgt 10.000 Euro.

Die Jury, die aus hochrangigen Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft besteht, entschied sich für den Siegertitel, weil es „ein exzellent erzähltes Buch ist, das ein immens wichtiges Thema detailreich aufgreift, ohne überladen zu sein“, urteilt die Jury: „Jeder, der in der deutschen Wirtschaft tätig ist, dem steht es gut, dieses Buch zu lesen.“

Wie die Deutschland AG entstand – und warum sie bis heute nachwirkt

Es war der ehemalige deutsche Außenminister Walther Rathenau, der einst von „300 Männern“ sprach, die die deutsche Wirtschaft prägen. Was bei Rathenau noch Metaphorik war, wurde später Realität. Der Journalist Konstantin Richter, Jahrgang 1971, hat herausgearbeitet, wie von etwa 1870 bis Mitte der Nullerjahre wenige Dutzend Männer des immer gleichen Typs die deutsche Industrie groß machten. Männer wie Berthold Beitz und Alfred Herrhausen, später dann Jürgen Schrempp und Thomas Middelhoff. Eng miteinander verbundene Manager, die die Führungsgremien der sogenannten Deutschland AG unter sich aufteilten – und auch ihr Ende besiegelten.

Ein Ende, das kulturell einen Fortschritt markierte. Und doch bis heute Probleme bereitet, sagt Richter. Weil auf die Deutschland AG keine neue Idee folgte und weil so eine identitätslose Riege an Großkonzernen entstand, die für wenig steht – und in der Breite der Bevölkerung eher Gleichgültigkeit denn Respekt auslöst. Richter liefert damit eine Beschreibung der Vergangenheit und Problemanalyse der Gegenwart gleichermaßen.

Der Autor nähert sich dem Thema mit dem nüchternen Blick des Journalisten und der empathischen Sprache des Literaten. Auf eine Art, wie es sonst nur in der Literatur geschieht, verwebt er Geschichten, Schicksale und Entwicklungen zu einem Kaleidoskop der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. So verwoben wie ihre Unternehmen miteinander wirken in Richters Erzählung auch die Schicksale dieser 300 Männer.

Hans-Jürgen Jakobs zu 20 Jahren Wirtschaftsbuchpreis

Zum 20. Geburtstag des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises sagt der Juryvorsitzende Hans-Jürgen Jakobs: „Wenn man zurückschaut, stellt man fest, dass wir immer grundlegende Bücher hatten, die sich mit dem Wirtschaftssystem, mit dem Kapitalismus auseinandergesetzt haben. Der Inhalt der Bücher aber ändert sich natürlich mit dem Weltgeschehen. In den letzten Jahren ist eine Fokussierung auf digitale und geopolitische Themen festzustellen.“

Leserpreis geht an „Cum/Ex, Milliarden und Moral“

Zum fünften Mal konnten in diesem Jahr auch die Leserinnen und Leser des Handelsblatts ihren Favoriten wählen. Der undotierte Leserpreis geht demnach an „Cum/Ex, Milliarden und Moral“ von Anne Brorhilker und ihrer Co-Autorin Traudl Bünger, erschienen im Heyne Verlag. Mehr als 8000 Leserinnen und Leser haben sich an der Abstimmung beteiligt.

In ihrem Buch zeichnen die Autorinnen eindringlich die Ermittlungen der früheren Staatsanwältin zum Cum/Ex-Skandal nach – dem größten Steuerskandal in Deutschland. Im Zentrum steht nicht nur die juristische Aufarbeitung, sondern auch die moralische Dimension eines der größten Finanzverbrechen Europas.

Die Autorinnen zeigen, wie systematisch Steuerschlupflöcher genutzt wurden – und wie Politik und Aufsicht versagten. Das Buch verbindet investigative Recherche mit persönlicher Perspektive, insbesondere durch Brorhilkers Erfahrung als Staatsanwältin: Die ehemalige Kölner Strafverfolgerin, die heute für die Organisation Finanzwende arbeitet, gilt als hartnäckigste und erfolgreichste Ermittlerin in diesem Skandal, der den deutschen Steuerzahler mehrere Milliarden Euro kostete.

20 Jahre „Wirtschaft verstehen“

Der Deutsche Wirtschaftsbuchpreis wird verliehen vom Handelsblatt, der Frankfurter Buchmesse, der Investmentbank Goldman Sachs sowie erstmals der R+V Versicherung. Die Partner wollen mit der Auszeichnung die Bedeutung des Wirtschaftsbuches bei der Vermittlung ökonomischer Zusammenhänge unterstreichen und einen Beitrag zur ökonomischen Bildung in der Gesellschaft liefern. Das Motto des Preises lautet daher „Wirtschaft verstehen“. Er wurde bereits zum 20. Mal verliehen.

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