Pressemitteilung Düsseldorf den 18.09.2026 Handelsblatt Research Institute

HRI hebt Konjunkturprognose deutlich an

Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Halbjahr überraschend stark gewachsen. Das Handelsblatt Research Institute (HRI) hebt deshalb seine Konjunkturprognose deutlich an. Für das laufende und das kommende Jahr erwartet das HRI nunmehr 1,1 und 1,4 Prozent reales Wirtschaftswachstum. Vor einem Vierteljahr hatte das HRI lediglich 0,5 und 0,3 Prozent Wachstum erwartet.

Der Außenhandel dürfte sich erholen; die deutsche Exportindustrie sei „ein heimlicher Nutznießer der Verknappung des Angebots wegen der Schließung der Straße von Hormus“, heißt es in der Prognose. Im Gegensatz zu den asiatischen Wettbewerbern litten deutsche Hersteller nicht unter einem Mangel an Öl, Flüssiggas oder Düngemitteln, da sie ihre fossilen Brennstoffe vorwiegend aus Norwegen und den USA beziehen. Die Chemie- und Pharmaindustrie erlebe einen Aufschwung, da die Konkurrenz aus Asien kriegsbedingt Lieferkettenprobleme hatte. Da die Kapazitäten nicht ausgelastet waren, konnte die deutsche Industrie kurzfristig liefern.

Zudem profitiere Deutschland als viertgrößter Waffenexporteur der Welt von der boomenden globalen Nachfrage nach Rüstungsgütern. Nach drei Jahren Abwärtstrend stiegen nun die deutschen Exportzahlen wieder, dieses Jahr real um 3,9 und im kommenden Jahr um 3,3 Prozent, prognostiziert das HRI. Der Außenhandel wird zum leichten Wachstumstreiber.
Auch der Tiefpunkt der Investitionsschwäche ist nach Ansicht des HRI überwunden. Nachdem die Bruttoanlageinvestitionen im Jahr 2025 auf den tiefsten Stand seit 2016 gerutscht waren, erwartet das HRI für 2026 ein leichtes Plus um 0,1 Prozent und im kommenden Jahr einen Zuwachs von 1,9 Prozent, wobei die Rüstungsausgaben des Bundes eine maßgebliche Rolle spielen dürften.

Gleichermaßen dürfte die staatlich finanzierte Modernisierung der Infrastruktur dazu beitragen, dass im Jahr 2027 erstmals seit 2020 die gesamtwirtschaftlichen Bauinvestitionen wieder wachsen – wenn auch nur moderat um 0,7 Prozent. Während aber der Tiefbau von öffentlichen Mitteln profitiert, bleibt der private Wohnungsbau wegen der gestiegenen Finanzierungskosten schwach. Ebenso agieren viele Unternehmen zurückhaltend beim Thema Investitionen. Bestehende Anlagen werden punktuell zwar modernisiert, größere Erweiterungsinvestitionen gibt es dagegen nur selten.

Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup mahnt jedoch: „Ein großer Teil des Wirtschaftswachstums besteht aus einem nicht-wohlstandsmehrenden Sozialprodukt.“ Die massive Aufrüstung sei zwar unvermeidbar, da Europa nicht mehr auf Sicherheitsgarantien der USA zählen könne. Doch anders als eine privatwirtschaftliche Investition erhöhe ein neuer Panzer oder eine neue Fregatte das Produktionspotenzial einer Volkswirtschaft eben nicht und sorge nicht für eine nachhaltige Vermehrung des Wohlstands. „Die Aussagekraft der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung stößt hier an ihre Grenzen. Deutschlands Bevölkerung wird in den kommenden Jahren ärmer, obwohl das Bruttoinlandsprodukt wächst.“

Kontakt

E-Mail: pressestelle@handelsblattgroup.com

Über das Handelsblatt Research Institute

Das Handelsblatt Research Institute (HRI) ist ein unabhängiges Forschungsinstitut unter dem Dach der Handelsblatt Media Group. Es schreibt im Auftrag von Kunden, wie Unternehmen, Finanzinvestoren, Verbänden, Stiftungen und staatlichen Stellen wissenschaftliche Studien. Dabei verbindet es die wissenschaftliche Kompetenz des 20-köpfigen Teams aus Ökonom:innen, Sozial- und Naturwissenschaftler:innen sowie Historiker:innen mit journalistischer Kompetenz in der Aufbereitung der Ergebnisse. Es arbeitet mit einem Netzwerk von Partner:innen und Spezialist:innen zusammen. Daneben bietet das Handelsblatt Research Institute Desk-Research, Wettbewerbsanalysen und Marktforschung an.

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