Pressemitteilung Düsseldorf den 15.05.2026 Handelsblatt Research Institute

Neue Chancen für ein Wirtschaftswunder: Deutschlands ungenutztes Potenzial

Wirtschaftsumfrage „Standort Zukunft“: Die Wirtschaft sieht Hoffnung für neuen ökonomischen Aufschwung, wenn Defizite bei Umsetzung und Skalierung überwunden werden.

Der Industriestandort Deutschland steht neben großen Herausforderungen vor einer bislang ungenutzten Chance: Die Stärken aus den bisherigen Schlüsselindustrien mit jahrzehntelanger Expertise und Daten aus der Produktion mit neuen Technologien und Geschäftsmodellen in das heutige Zeitalter zu übertragen. Voraussetzungen für neues Wachstum sind vorhanden, doch fehlt es am Tempo beim Einsatz neuer Technologien und der Entwicklung neuer Geschäftsfelder.

Das zeigt die Auftaktstudie „Chancen für die industrielle Erneuerung“ der Initiative „Standort Zukunft – Bausteine für ein neues Wirtschaftswunder“, die das Handelsblatt Research Institute (HRI) mit den strategischen Partnern PwC Deutschland und Strategy& veröffentlicht hat. Grundlage der ersten Analyse ist eine Befragung von mehr als 500 Führungskräften der deutschen Wirtschaft.

Kein Substanzproblem, sondern ein Umsetzungsdefizit

Die aktuelle anhaltende Wachstumsschwäche wird von der großen Mehrheit der Entscheiderinnen und Entscheider als strukturelle Krise bewertet, nur 17 Prozent gehen von einer vorübergehenden konjunkturellen Schwäche aus.

Gleichzeitig widersprechen die Umfrageergebnisse der verbreiteten Annahme eines grundlegenden Verlustes der Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität des Standorts. Eine zentrale Stärke ist die breite industrielle Basis: 81 Prozent der Befragten sehen in der Stabilisierung dieser Basis einen zentralen Hebel.

Ein Spannungsfeld zeigt die Umfrage bei der Einschätzung der Transformationsfähigkeit: 71 Prozent der Befragten attestieren der Wirtschaft eine hohe Bereitschaft zur Veränderung. Gleichzeitig glauben 30 Prozent, dass ohne bessere Rahmenbedingungen derzeit kein Wachstum möglich ist. Unternehmen nennen diesbezüglich vor allem zu viel Bürokratie, langsame Genehmigungsprozesse und mangelnde Planungssicherheit.

Dr. Jan Kleibrink, Managing Director des Handelsblatt Research Institute: „In den letzten Jahren hat sich das Gefühl verfestigt, dass Deutschland einen Wachstumsimpuls von außen braucht. Doch die Studienergebnisse widerlegen dies: Der Standort verfügt weiterhin über eine starke industrielle und technologische Basis. Der Transformationswille in der Wirtschaft ist hoch; wenn die Politik den Rahmen richtig setzt, werden die Chancen auch genutzt werden.“

Stärken bei inkrementeller Innovation, Schwächen bei neuen Geschäftsmodellen

73 Prozent der Befragten aus der Wirtschaft sehen Deutschlands Industrie stark bei Innovation innerhalb bestehender Systeme, aber schwach bei grundlegenden Veränderungen und neuen Geschäftsmodellen. Neue Technologien gelten zwar für 42 Prozent der Entscheiderinnen und Entscheider als wichtigster Wachstumstreiber, die Überführung in neue Geschäftsmodelle spielt jedoch bislang eine untergeordnete Rolle.

Auch bei Zukunftstechnologien zeigt sich dieses Muster. Nur acht Prozent der Unternehmen setzen Künstliche Intelligenz heute flächendeckend ein, obwohl die technologischen Voraussetzungen vielfach vorhanden sind.

Der Befund ist eindeutig: Die grundsätzliche Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ist vorhanden. Es fehlen jedoch Ansätze, die über die Entwicklung in kleinen Schritten hinausgehen. Vor diesem Hintergrund befürwortet eine Mehrheit der Befragten (57 Prozent) die wirtschaftspolitische Förderung neuer Industrien, nur 38 Prozent würden den Fokus auf den gezielten Schutz etablierter Schlüsselindustrien legen.

Andreas Spaene, Europachef und Partner bei Strategy& Deutschland: „Deutschland war immer dann erfolgreich, wenn Unternehmergeist, Innovationskraft, Qualitätsbewusstsein und Umsetzungsstärke aufeinandertrafen – und so skalierbare Produkte und Leistungen entstanden, die ‚Made in Germany‘ bis heute mit Substanz füllen. Genau jetzt ist wieder ein ähnlicher Moment: Wir haben die Chance, unsere industrielle DNA in neues Wachstum zu übersetzen und müssen dazu unsere Expertise und große Datenmenge aus der Produktion als Vorteil verstehen und nutzen. Es geht darum, Technologien nicht nur zu pilotieren, sondern neue Lösungen für sektorübergreifende Innovation und Wachstum zu entwickeln und skalierbar zu machen.“

Überraschende Stärke bei neuen Technologien

Die Studie identifiziert zugleich ein unterschätztes Potenzial beim Einsatz künstlicher Intelligenz: Deutschland verfügt über eine starke Datenbasis und ausgeprägte industrielle Kompetenzen, die dem Standort einen Wettbewerbsvorteil verschaffen können.

Die Herausforderung liegt weniger in der Technologie selbst als in deren organisatorischer und unternehmerischer Umsetzung. Die Breitenwirkung scheitert häufig an Strukturen, Prozessen und Rahmenbedingungen.

Neue Wachstumsfelder sind klar erkennbar

Clemens Koch, Clients & Markets Leader, PwC Deutschland: „Die Umfrage unter Wirtschaftsentscheider:innen zeigt: Für die deutsche Industrie liegt das Wachstumspotenzial in Feldern wie Künstlicher Intelligenz, Infrastruktur, Dekarbonisierungstechnologien und der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie – aber nicht durch das Entstehen neuer Branchen, sondern durch neue Formen der Wertschöpfung innerhalb bestehender industrieller Strukturen, sowie in branchenübergreifenden Ökosystemen. Erfolg ist nicht nur eine Frage des Potenzials, sondern auch des Mutes zur Erneuerung und der entsprechenden Umsetzung.“

Auftakt einer umfassenden Initiative

Die vorliegende Analyse ist der Auftakt der Studienreihe „Standort Zukunft“, die in weiteren Teilstudien über die kommenden 1,5 Jahre zentrale Wachstumsfelder und deren Umsetzung vertiefend untersucht.

Im Fokus der weiteren Studien stehen unter anderem die Infrastruktur als Wachstumshebel, die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, der industrielle Einsatz Künstlicher Intelligenz und die Dekarbonisierung. Zudem werden die Rolle des Unternehmertums, effektive Finanzierungs- und Regulierungsmodelle sowie die benötigten Fähigkeiten für den Wandel beleuchtet. Ziel ist es, konkrete Bausteine für eine neue Wachstumsphase der deutschen Wirtschaft zu identifizieren.

Hintergrund der Studie

Basis für die Ergebnisse der Studie ist eine quantitative Befragung von 503 Entscheiderinnen und Entscheidern der deutschen Wirtschaft, die im April 2026 durchgeführt wurde. Die Stichprobe ist repräsentativ nach Beschäftigtenanteil pro Unternehmensgröße, nach Geschlecht und Altersgruppen der Befragten, sowie nach sechs NACE-Wirtschaftszweigen und nach Nielsen-Regionsverteilung der Unternehmen.

Die gesamte Studie ist abrufbar unter: pwc.de/standort-zukunft

 

Kontakt

E-Mail: pressestelle@handelsblattgroup.com

 

Über das Handelsblatt Research Institute

Das Handelsblatt Research Institute (HRI) ist ein unabhängiges Forschungsinstitut unter dem Dach der Handelsblatt Media Group. Es erstellt wissenschaftliche Studien im Auftrag von Kunden wie Unternehmen, Finanzinvestoren, Verbänden, Stiftungen und staatlichen Stellen. Dabei verbindet es die wissenschaftliche Kompetenz des 20-köpfigen Teams aus Ökonom:innen, Sozial- und Naturwissenschaftler:innen, Informationswissenschaftler:innen sowie Historiker:innen mit journalistischer Kompetenz in der Aufbereitung der Ergebnisse. Es arbeitet mit einem Netzwerk von Partner:innen und Spezialist:innen zusammen. Daneben bietet das Handelsblatt Research Institute Desk-Research, Wettbewerbsanalysen und Marktforschung an.

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